Baureglement und Rennreglement für Lista Seifenkisten Derbys

Ausgabe 2004

Inhalt


1. VORWORT
2. SEIFENKISTEN STORY
3. ALLGEMEINES
4. BAUREGLEMENT
4.1 Allgemeine Bau– und Materialvorschriften
4.2 Wagenaufbau
4.2.1 Kontrolle der Konstruktion
4.2.2 Bodenplatte
4.2.3 Karosserie
4.2.4 Fahrersitz
4.2.5 Achsen
4.2.6 Achsbefestigung
4.2.7 Federung
4.2.8 Räder
4.2.9 Lenkung
4.2.10 Bremsen

4.3 Technische Kontrolle
4.3.1 Technische Kontrolle
4.3.2 Anordnungen
4.3.3 Einsprachen
5. RENNREGLEMENT
5.1 Teilnahmebedingungen
5.2 Anmeldemodalitäten/Derby-Kalender
5.3 Lizenz
5.4 Versicherungen

5.4.1 Unfallversicherung
5.4.2 Haftpflichtversicherung
5.5 Allgemeines zu Rennanlässen
5.6 Schweizer-Cup
5.7 Festzugeteilte Startnummern
5.8 Jahrgangs-Cup
5.9 Schweizermeisterschaft
5.10 Derby Regeln
5.10.1 Kontrolle der Seifenkiste
5.10.2 Ausrüstung des Fahrers
5.10.3 Absolvierung Rennlauf
5.10.4 Startnummern/Logos
5.10.5 Fehlerwertung
5.11 Rennlaufwiederholung
5.12 Einsprachen
5.13 Renn-Jury
5.14 Zeitgleichheit
6. INKRAFTTRETEN, ÄNDERUNGEN


1.VORWORT


Mit dem Seifenkisten-Derby wird das Ziel angestrebt, unseren Jugendlichen eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung zu ermöglichen.
Seifenkistenrennen sind keine Einzelsportart, sondern ein höchst amüsantes Freizeitvergnügen, an dem die ganze Familie teilhaben kann. Dieses sinnvolle Hobby beschränkt sich nicht nur auf die Teilnahme an den in der ganzen Schweiz stattfindenden LISTA Seifenkisten-Derbys, sondern liegt auch in den Vorbereitungen. Während Wochen müssen sich die Jugendlichen, allenfalls mit Unterstützung der Eltern, Grosseltern oder Freunden, mit den Problemen des Baus einer Seifenkiste auseinandersetzen. Fertiggestellte Seifenkisten können nicht gekauft werden. Der Bau einer Seifenkiste und Seifenkisten-Rennen sind Freizeit-Beschäftigungen, welche nicht nur den Jugendlichen Spass bereiten, sondern der ganzen Familie ein nachhaltiges Gemeinschaftserlebnis bieten. Dank einem gemeinsamen, sinnvollen Hobby redet man zusammen über manch anderes ungelöstes Problem. Zudem stellt ein Sonntagsausflug der ganzen Familie an ein Seifenkisten-Derby für alle ein Vergnügen dar. Bekanntschaften, gar Freundschaften werden geschlossen und die Fahrerinnen und Fahrer machen erste Erfahrungen im Umgang mit Erfolgen, aber auch Misserfolgen.
Natürlich spielt auch das Material - wie bei jedem technischen Wettbewerb - eine wichtige Rolle. Man könnte auch sagen: Es ist das handwerkliche Geschick des Erbauers, welcher vor Beginn der Saison in seiner Rolle als Rennwagen-Konstrukteur den Grundstein zum späteren (ev. Miss-) Erfolg legt. Damit dieses schöne Hobby nicht durch Ungerechtigkeiten getrübt wird, gibt es das vorliegende von der Interessengemeinschaft LISTA Seifenkisten-Derby (IG) geschaffene Reglement. Ein von der IG vorgeschriebener Räder- und Achsensatz sorgt zwar für identisches Material in diesem Bereich, ansonsten lassen die Bauvorschriften den Konstrukteuren aber einigen Spielraum für individuelle Lösungen. Eine vor jedem Rennen durchgeführte exakte Wagenkontrolle gewährleistet die Einhaltung dieser Vorschriften.
Der beste Fahrer und nicht die raffinierteste Seifenkiste soll gewinnen.


2. SEIFENKISTEN-STORY


Seifenkistenrennen sind – wie könnte es anders sein – eine amerikanische Erfindung. Ein ideenreicher Unternehmer aus Dayton/Ohio bildete die Umrisse eines kleinen Rennwagens auf einer hölzernen Seifenkiste („soap box“) ab und lieferte die übrigen erforderlichen Teile kostenlos. Dem Reporter Myrton E. Scott von der “Dayton Daily News“ ist es zu verdanken, dass aus dem Kinderspass ein in feste Regeln gefasster Jugendsport wurde, dem heute noch Tausende von Jugendlichen auf der ganzen Welt frönen. Die erste amerikanische Meisterschaft wurde 1934 veranstaltet und fand ab 1935 ohne Unterbruch in Akron/Ohio am selben Ort statt. Amerikanische Soldaten führten diese Jugendveranstaltungen auch in Europa ein.
Wie weit Seifenkistenrennen historisch zurückreichen, wird wohl immer eine ungeklärte Frage bleiben. Gewiss werden Buben und Mädchen seit Erfindung das Rades den Rennspass durch die Erdbeschleunigung ausgenutzt haben. In Deutschland soll das erste Kinderautomobilrennen, dessen Austragungsmodus den heutigen Seifenkistenrennen sehr ähnlich gewesen sein soll, im Jahre 1904 in der Taunusstadt Oberursel durchgeführt worden sein.
In der Schweiz ist als unser ältestes Seifenkisten–Rennen eine Veranstaltung aus dem Jahre 1934 in Biberstein bekannt. Ob vorher bereits Seifenkisten–Rennen stattgefunden haben ist nicht bekannt. Erste Vorschriften und Richtlinien für den Bau der Seifenkisten und die Durchführung der Rennen wurden 1970 von der General Motors Suisse SA und der Rivella AG herausgegeben. Nachdem sich 1974 General Motors zurückgezogen hatte, liefen die Rennen der Schweizer–Meisterschaft bis Mitte 1990 unter dem Patronat der Firma Rivella. Ab Saison 1991 hat die LISTA Gruppe zusammen mit der AMAG die Schirmherrschaft übernommen. Ideell und finanziell unterstützt wurden diese Patronatsträger vom TCS und dem VSCI (Verband Schweizer Carrossier). Auf Ende 1992 hat sich der TCS und auf Ende 1993 die AMAG vom Seifenkistenrennsport zurückgezogen. Auf die Saison 2003 hin konnte nebst den zwei langjährigen Hauptsponsoren LISTA und VSCI neu CASTROL als weiterer Hauptsponsor gewonnen werden.
Für die Koordination und Organisation zeichnet die Interessengemeinschaft LISTA Seifenkisten-Derby verantwortlich. Zwischen Mai und Oktober werden jedes Jahr in der ganzen Schweiz zwanzig bis dreissig LISTA Seifenkisten–Derbys ausgetragen. Die vier bis sechs Bestplatzierten aus jedem Rennen, welche noch nicht nominiert sind, qualifizieren sich jeweils für die Schweizermeisterschaft, die an einem separaten Rennen im Sommer durchgeführt wird. Der Schweizer- Cupsieger wird mittels eines Cup–Punktesystems erkürt. Teilnahmeberechtigt an den LISTA Seifenkisten–Derbys sind Buben und Mädchen, die während der Saison 8 – 16 Jahre alt sind oder werden.


3. ALLGEMEINES


Die Interessengemeinschaft LISTA Seifenkisten-Derby wird im vorliegenden Reglement als „IG“ bezeichnet.
Sämtliche Personenbezeichnungen in diesem Reglement betreffen immer die weibliche und die männliche Anredeform, für eine einfachere Lesbarkeit wird im Text aber nur die männliche Form angewandt.
Für die Fahrer gilt während der Rennveranstaltungen striktes Suchtmittelverbot.
Bei unsportlichem und ungebührlichem Verhalten behält sich der IG Vorstand vor, Sanktionen zu ergreifen.
Seifenkistenfahrer gelten als künftige Verkehrsteilnehmer und sollten die folgende Regel beachten: Wer zum Training öffentliche Strassen benützt, wird vom lokalen Organisator disqualifiziert und der IG gemeldet. Für Trainingszwecke sind verkehrsfreie, abgesperrte Strassen zu benützen.
Alle von der IG LISTA Seifenkisten-Derby organisierten Seifenkisten- Derbys (unter dem Patronat LISTA) zählen zum Schweizermeisterschafts-Cup und gelten als Qualifikationsläufe zur Schweizer-Meisterschaft.
Diese Rennläufe finden in allen Regionen der Schweiz statt und werden jeweils von einem lokalen Verein, einer Jugendgruppe oder Interessengemeinschaft organisiert.
Die Ortschaften und Durchführungsdaten werden durch die IG koordiniert und in einem jährlichen Veranstaltungskalender publiziert. Dieser wird jeweils etwa zwei Monate vor dem ersten Rennen herausgegeben. Allen aktiven Fahrern und Materialbezügern, deren Adressen der IG bekannt sind, wird der Derby-Kalender automatisch zugestellt. Interessenten, die bis Ende März nicht im Besitz des Derby-Kalenders sind, können diesen bei der IG anfordern.


4. BAUREGLEMENT


4.1 Allgemeine Bau– und Materialvorschriften


Alle Arbeiten, welche zum Bau einer Seifenkiste erforderlich sind, sollten nach Möglichkeit unter Mitwirkung des Teilnehmers ausgeführt werden. Gewerblich hergestellte Fahrzeuge und Fahrzeugteile erfordern eine Genehmigung durch den IG-Vorstand.
Es sind nur die offiziellen, von der IG angebotenen Achsen und Räder zulässig.
Die Gesamtlänge des Wagens sollte 2,0 m nicht überschreiten.
Die Gesamtbreite der Seifenkiste darf 870 mm, das ist die Länge der unveränderten offiziellen Achsen, nicht überschreiten.
Die Bodenfreiheit muss mindestens 100 mm betragen (Bodenbrett oder Teile der Karosserie, auch Schrauben und Umlenkrollen). Die jeweilige Kontrolle (Messung) durch den technischen Delegierten (TD) erfolgt hingegen auf der Basis von minimal 95 mm. Wer diese Kontrolle nicht besteht kann den Rennlauf bestreiten, dieser wird jedoch nicht gewertet.
Ein- und Vorrichtungen zur Höhenverstellung vor und während den Rennläufen sind untersagt.
Fahrer und Fahrzeug dürfen zusammen höchstens 125 kg wiegen. Für jedes angefangene Kilogramm Mehrgewicht wird ein Zeitzuschlag von 1 / 10 sec pro Rennlauf berechnet. Weist die Seifenkiste jedoch selbst nicht mehr als 60 kg auf, wird der bezeichnete Zeitzuschlag nicht erhoben.
Als Gewichtsausgleich (Ballast) darf Metall verwendet werden, doch muss dieses fest montiert sein. Der Ballast soll so montiert werden, dass er jederzeit bei Übergewicht wieder herausgenommen werden kann. Gewichte an Körper und Kleidern des Fahrers sind untersagt.
Die Seifenkiste wird mitsamt Fahrer in voller Rennmontur, also mit Helm und Handschuhen, gewogen.
Vorrichtungen, welche das Starten erleichtern oder beschleunigen, sind untersagt.
Die von der IG Seifenkisten-Derby abgegebenen Startnummern und Logos der Sponsoren sind an der Seifenkiste vorne, gut sichtbar, anzubringen.


4.2 Wagenaufbau


4.2.1 Kontrolle der Konstruktion


Die Seifenkiste muss so konstruiert sein, dass eine Kontrolle aller Teile, insbesondere der Lenkung, Bremsvorrichtung, der Vorder- und Hinterachsbefestigung sowie der Federung jederzeit ungehindert (ohne Abschrauben der Karosserie) möglich ist.


4.2.2 Bodenplatte


Die Bodenplatte muss aus einer geschlossenen Holzplatte bestehen. Metallrahmen jeglicher Art (auch verdeckt) sind unzulässig. Öffnungen dürfen nur für die minimalen Erfordernisse von Seildurchführungen etc. angebracht werden.
Metallwinkel oder Rohre aus einzelnen Stücken, welche keine durchgehende Metallverbindung bilden, dürfen für die Befestigung der Karosserie verwendet werden.
Sämtliche sicherheitsrelevanten Teile (Achsen, Bremsen, Lenkung, Sitz, Karosserie etc.) müssen mit durchgehenden Schrauben und Sicherungsmuttern auf der Bodenplatte befestigt werden. Die Schrauben sollen mit dem Kopf unten montiert werden (wegen der vorgeschriebenen Bodenfreiheit). Die Verwendung von Nägeln, Holzschrauben etc. als Befestigungselement ist untersagt.


4.2.3 Karosserie


Das Fahrzeug muss eine Karosserie aufweisen.
Als Karosserie dürfen alle Arten von Holz und faserverstärkte Kunststoffe verwendet werden.
Unverstärkte Kunststoffe sowie Metallbleche sind nicht erlaubt.
Abschlepphaken dürfen den Wagenaufbau nicht überragen.


4.2.4 Fahrersitz


Jede Seifenkiste muss über einen Fahrersitz (mit Rückenlehne) verfügen, der mit dem Bodenbrett fest verbunden ist. Arretierbare Verstellungen sind erlaubt.


4.2.5 Achsen


Es sind nur Originalachsen der IG zugelassen. Erlaubt ist das Verstärken der Originalachsen. Die Achsen dürfen jedoch nicht zersägt werden und müssen als Ganzes jederzeit kontrollierbar sein.


4.2.6 Achsbefestigung


Die Vorderachse muss mit einem Königszapfen (mindestens 12 mm Ø) in der Mitte der Achse versehen sein, der auch an der Verstärkung befestigt sein darf. Der Königszapfen darf jedoch nur in der Mitte oberhalb oder unterhalb der Achse befestigt werden. Die Vorderachse muss mit einer gesicherten M12 Mutter (min.) am Königszapfen befestigt sein.


4.2.7 Federung


Die Achsen dürfen nur mit auf Druck beanspruchtem Gummi gefedert werden, das heisst auf der druckbelasteten Seite oberhalb der Achsbefestigung max. 20 mm Gummi (oder gummiartige Kunststoffblöcke). Zur Geräuschdämmung darf auf der unteren, ausfedernden Seite zusätzlich auch ein Gummi mit max. 20 mm Höhe angebracht werden.
Bei Hinterachsschwingarmen und ähnlichen Konstruktionen ist ein fester Anschlag (nicht federnd) anzubringen, welcher den Gesamtfederweg auf 20 mm beschränkt. Diese Begrenzung darf nicht mehr als 120 mm, von dem inneren Hinterachslager aus gemessen, montiert werden.
Alle Arten von Zug-, Scherungs-, Torsions- und Biegeelementen sind als Federung untersagt.
Schwingungsdämpfer aller Art sind nicht gestattet.


4.2.8 Räder


Es sind nur Räder der IG Seifenkisten-Derby (ab 1995) und Progressusräder des Modells 1978 bis 1996 zugelassen.
Die Radgummis dürfen in Höhe und Breite reduziert werden. Bei allfälligem Ersatz der Gummis sind ausschliesslich Originalgummireifen der IG gestattet.
Um die Festigkeit des Felgenhorns und den Sitz der Reifen zu verbessern, darf das Felgenhorn verschraubt, verleimt, vernietet und die Nut mit Kittmasse gefüllt werden. Die Schrauben dürfen jedoch die Muttern nicht überragen. Das Auswuchten durch Anbringung von Gewichten am Felgenhorn durch Kitt ist zulässig.
Das Ausführen weitergehender Veränderungen an den Originalrädern und auch der Ersatz und Austausch der Radlager ist untersagt.


4.2.9 Lenkung


Das Fahrzeug muss über eine Mittelpunktlenkung gelenkt werden, deren Drehpunkt der Königszapfen bildet.
Handschnurzug- und Fusslenkungen sind untersagt.
Die Seifenkiste muss mit Lenkrad, Lenksäule und Drahtseil über die Vorderachse gelenkt werden. Es dürfen nur Drahtseile von mindestens 2,5 mm Durchmesser verwendet werden. Der Gebrauch von anderen Seilen, auch aus Perlon oder Nylon, Textilbändern oder Ketten ist verboten.
Der Wagen muss die Richtung einschlagen, in die man das Lenkrad dreht. Der Radeinschlag muss so begrenzt sein, dass die Vorderräder nicht mit dem Fahrzeug in Berührung kommen.
Die Lenkung darf kein Spiel aufweisen. Vorteilhaft dazu ist die beidseitige Verwendung von Seilspannern.
Das Drahtseil darf aus Sicherheitsgründen nicht ungeschützt vertikal zwischen den Beinen des Fahrers verlaufen. Eine allfällige vertikale Mittelkonsole/Abstützung muss ebenfalls gut geschützt werden (Polsterung gegen Aufprall bei Unfall).
Alle Seilrollen müssen mit einem Seilabwurfschutz versehen sein.
Alle Seilrollen-Trägerplatten müssen mit mindestens zwei durchgehenden Schrauben und Sicherungsmuttern befestigt werden.
Lenkungsdämpfer jeglicher Bauart dürfen nicht verwendet werden.
Seilspanner müssen mit Draht, Kontermuttern oder Kabelbindern gesichert werden.
Es sind ausschliesslich verschweisste Ringschrauben (geschlossene Oesenschrauben) zugelassen.


4.2.10 Bremsen


Eine gleichmässig auf beide Hinterräder wirkende Fussbremse ist vorgeschrieben. Die Bremse muss auf die Lauffläche der Reifen einwirken. Die Kraftübertragung vom Bremspedal zur Hinterachsbremse muss über ein Drahtseil von mindestens 2,5 mm Durchmesser erfolgen.
Seilspanner müssen mit Draht, Kontermuttern oder Kabelbindern gesichert werden.
Nicht zugelassen sind alle anderen Arten von Bremsen. Die Betätigung der Bremseinrichtung darf das sichere Lenken nicht beeinträchtigen. Bei voll betätigter Fussbremse dürfen, beim Schieben der Seifenkiste, die Hinterräder nicht drehen.


4.3 Technische Kontrolle


4.3.1 Technische Kontrolle


Der von der IG Seifenkisten-Derby beauftragte technische Delegierte gilt als verantwortliches Kontrollorgan für die Einhaltung der gültigen Bauvorschriften. Die Kontrolle der Seifenkisten erfolgt jeweils vor oder nach den einzelnen Rennläufen. Dem technischen Delegierten obliegt die Verantwortung und Kompetenz zur Organisation und zur Abwicklung der technischen Kontrollen.


4.3.2 Anordnungen


Den Aufforderungen und Anordnungen des technischen Delegierten ist uneingeschränkt Folge zu leisten. So steht dem bezeichneten Kontrollorgan die Kompetenz zu, bei Nichteinhaltung der Bauvorschriften, Seifenkisten von der Teilnahme an Rennläufen auszuschliessen. Ein Ausschluss respektive ein Startverbot erfolgt nach Absprache mit der Renn-Jury (gemäss 5.13) welche am Rennanlass zugegen ist.


4.3.3 Einsprachen


Die Modalitäten für Einsprachen gegen Entscheide des technischen Delegierten richten sich nach den Bestimmungen des Rennreglements (Artikel 5.12)



5. RENN-REGLEMENT


5.1 Teilnahme-Bedingungen


Teinahmeberechtigt sind alle Knaben und Mädchen , die während der Rennsaison 8 bis 16 Jahre alt sind oder werden.
Pro Fahrzeug dürfen höchstens 2 Fahrer starten. Der Erst- oder Zweitstartende wird gemäss Anmeldung durch den lokalen Veranstalter festgelegt. Bei Defekten resp. Fahruntüchtigkeit der Seifenkiste ist die Renn-Jury unmittelbar zu benachrichtigen. Ein Umstieg oder die Verwendung einer anderen Seifenkiste während des Rennanlasses unterliegt der Beurteilung und Entscheidung des technischen Delegierten.
Die Seifenkisten müssen den Bauvorschriften gemäss gültigem Baureglement der IG LISTA Seifenkisten-Derby (IG) entsprechen. Zu den offiziellen Läufen werden nur Kisten zugelassen, welche diesem Reglement entsprechen. Mit der Anmeldung verpflichtet sich der Teilnehmer, diese Bauvorschriften einzuhalten und ehrliche Sportkameradschaft zu pflegen.


5.2 Anmelde-Modalitäten/Derby-Kalender


Die Anmeldung für einen Qualifikationslauf ist direkt (mind. 3 Wochen vor dem Veranstaltungsdatum) dem im jeweiligen jährlichen Derby-Kalender angegebenen lokalen Organisator zuzustellen. Gleichzeitig ist das Startgeld an die ebenfalls im Derby-Kalender vermerkte Post- oder Bankverbindung einzuzahlen.


5.3 Lizenz


Das Lösen einer Lizenz ist für Fahrer notwendig, welche sich für die Teilnahme an der Schweizermeisterschaft qualifizieren und den Schweizer-Cup bestreiten wollen. Die Lizenz gilt immer für ein Kalenderjahr und wird gegen die Einzahlung einer Lizenzgebühr bei der IG registriert. Das Datum der erfolgten Einzahlung ist massgebend für die Gültigkeit der Lizenz. Fahrer, die eine Lizenz gelöst haben und mindestens zehn Derbys in einem Kalenderjahr absolvieren, erhalten eine Prämie.
Die Qualifikation zur Schweizermeisterschaft und Cup-Punkte erhält nur, wer mindestens drei Wochen vor dem Renntag die Lizenz ordnungsgemäss gelöst hat.


5.4 Versicherungen


5.4.1 Unfallversicherung


Alle aktiven Teilnehmer sind durch einen Kollektiv-Vertrag mit einer anerkannten Versicherungsgesellschaft während der Teilnahme an LISTA Seifenkisten-Derbys zusatzversichert.
• Invaliditätskapital (kumulativ bis 225%): Fr.60'000.--
• Todesfallkapital: Fr.10'000.--
Heilungskosten in Ergänzung zur obligatorischen Krankenversicherung des Teilnehmers im Betrag unbegrenzt während 5 Jahren (allgemeine Abteilung).


5.4.2 Haftpflichtversicherung


Der Veranstalter ist verpflichtet, eine Haftpflichtversicherung für Fest und Rennen abzuschliessen. Es ist jedoch empfehlenswert, für Zwischenfälle vor oder nach dem Derby auf eigene Versicherungen zurückzugreifen.


5.5 Allgemeines zu Rennanlässen


Alle durch die IG LISTA Seifenkisten-Derby durchgeführten Seifenkistenrennen (die im Derby-Kalender aufgeführt sind) zählen zum Schweizer-Cup und zum Jahrgangs-Cup und gelten als Qualifikationsläufe für die Schweizermeisterschaft.
Zwischen April und Oktober finden diese Derbys in verschiedenen Regionen der Schweiz statt. Sie werden jeweils von lokalen Veranstaltern (Vereine, Gruppierungen, Institutionen) organisiert und durchgeführt.
Die Ortschaften und Durchführungsdaten werden von der IG in einem Derby-Kalender zusammengefasst und veröffentlicht. Dieser wird jeweils ca. zwei Monate vor dem ersten Rennanlass herausgegeben.
Allen aktiven Fahrern und Materialbezügern, deren Adressen der IG bekannt sind, wird der Derby-Kalender automatisch zugestellt.


5.6 Schweizer-Cup


Zur Ermittlung der Cup-Ergebnisse relevant sind die Rennläufe im Kalenderjahr.
Die Wertung des Schweizer Cups erfolgt durch ein Punktesystem. Gepunktet kann an jedem LISTA Seifenkisten-Derby werden. Jeweils die ersten 23 der Rangliste erhalten Cup-Punkte (25/23/21/20/19/18 usw.) Belegt ein nicht lizenzierter Fahrer einen punkteberechtigten Rang, verfallen diese Punkte. In der Schlusswertung werden nur die besten 10 Resultate berücksichtigt. Bei Punktegleichheit werden die besseren Platzierungen zur Entscheidung beigezogen.
Am letzten Rennen der Saison wird der Schweizer Cup-Sieger und 25 % der nächstfolgend Rangierten geehrt. Ebenfalls geehrt werden die drei erfolgreichsten Mädchen.


5.7 Festzugeteilte Startnummern


Die einundzwanzig Erstklassierten gemäss Schweizer-Cup erhalten für die nächstfolgende Saison eine festzugeteilte Startnummer (Startnummern 100 bis 120). Wenn ein Fahrer in einem Kalenderjahr weniger als 10 LISTA Seifenkisten-Derbys bestritten hat, verfällt sein Anrecht auf eine festzugeteilte Startnummer für die folgende Saison.
Sofern zwei Fahrer, welche eine festzugeteilte Startnummer aufweisen mit derselben Seifenkiste fahren, hat derjenige Fahrer mit der niedrigeren Nummer zwingend zuerst, das heisst am Ende der ersten Gruppe Doppelfahrer, zu starten.


5.8 Jahrgangs-Cup


Bei jedem LISTA Seifenkistenrennen erhalten die fünf Erstrangierten jedes Jahrgangs Punkte (5,4,3,2,1). In der Schlusswertung werden nur die 15 besten Resultate berücksichtigt. Bei Punktegleichheit entscheiden die besseren Platzierungen. Als Sieger des Jahrgangs-Cups gilt, wer nach dem Saisonfinallauf (Oktober) am meisten Punkte aufweist.


5.9 Schweizermeisterschaft


Die Schweizermeisterschaft wird anfangs Juli in einem separaten Rennen ausgetragen. Teilnahmeberechtigt dafür sind automatisch die fünf Erstplatzierten eines lokalen LISTA Seifenkistenrennens, welche über eine gültige Lizenz verfügen. Die fünf Erstplatzierten der Schweizermeisterschaft (welche das reglementarisch festgelegte Höchstalter noch nicht erreicht haben) sind automatisch für die nächstjährige Schweizermeisterschaft qualifiziert. Die qualifizierten Fahrer erhalten von der IG zu gegebener Zeit die notwendigen Anmeldeunterlagen für die Schweizermeisterschaft zugestellt. Die LISTA Seifenkistenrennen von August (nach der Schweizermeisterschaft) bis Ende des Kalenderjahres gelten als Qualifikationsläufe für die Schweizermeisterschaft des folgenden Jahres, in welchem man sich im Zeitraum Frühjahr bis zur Schweizermeisterschaft, ebenfalls noch qualifizieren kann.
Klassiert sich ein Fahrer mehrmals unter den ersten Plätzen, so zählt für die Qualifikation das erste Resultat. An weiteren Veranstaltungen kommt automatisch der nächstplatzierte Fahrer in den Genuss der Qualifikation zur Schweizermeisterschaft. Die Kontrolle wird von der IG geführt. Auf den Derby-Startlisten werden die bis zum vorangehenden Rennen bereits qualifizierten Fahrer (in der Regel) mit einem Stern (*) bezeichnet.


5.10 Derby-Regeln


5.10.1 Kontrolle der Seifenkiste


Vor jedem Derby werden die Seifenkisten einer obligatorischen Kontrolle durch einen technischen Delegierten (TD) der IG unterzogen. Der Fahrer muss zu dieser Kontrolle persönlich und rennbereit erscheinen.
Die Modalitäten und Kompetenzen der technischen Kontrolle richten sich im weiteren nach den Bestimmungen gemäss Artikel 4.3 der Bauvorschriften.
Eine kontrollierte Seifenkiste, welche einen Defekt erleidet, kann repariert werden, wenn dadurch die Bauvorschriften nicht verletzt werden. Nachkontrollen sind durch den TD jederzeit möglich.


5.10.2 Ausrüstung des Fahrers


Der Fahrer muss folgende Ausrüstung tragen:
• Integralsturzhelm (im Kinnbereich geschlossener Motorradhelm)
• Lange Hosen
• Fester Langarm-Pullover oder Overall
• Geschlossene Schuhe
• Geschlossene Handschuhe
Wer diese Ausrüstungsvorschriften nicht erfüllt, erhält Startverbot.


5.10.3 Absolvierung Rennlauf


Die Seifenkiste muss beim Start aus eigener Schwerkraft von der Startrampe anrollen. Jede Starthilfe ist untersagt.
Während der Fahrt darf die Seifenkiste zur Beschleunigung nicht verlassen werden. Die Beschleunigung mittels fremder Hilfe oder mit den Händen des Fahrers ist ebenfalls verboten. Ausnahmen werden bei Kollisionen mit Hindernissen (bei anschliessend falscher Fahrtrichtung oder Stillstand) toleriert.


5.10.4 Startnummern/Logos


Die von der IG abgegebenen Startnummern und Logos der Sponsoren sind an der Seifenkiste vorne, gut sichtbar anzubringen.

 

5.10.5 Fehlerwertung


Ein Tor (Schikane) besteht aus 2 Leitkegeln (Töggel) und beliebig vielen anderen Kegeln oder Hindernissen (Strohballen usw.).

A: Berühren von Kegeln
Berühren von Kegeln, Strohballen, Hindernissen :
keine Fehler

 

 

 

 

 

B: Auslassen eines Wahlslaloms
Auslassen eines Leitkegels bei einem Wahlslalom:
5 Sekunden pro Tor

 

 

 

 

 

C: Verschieben von Kegeln
Aus der definierten Markierung verschobene Leitkegel (Töggel):
0,5 Sekunden pro Leitkegel

 

 

 

 

 

D: Umfahren des Tores
Umfahrung der Schikane (in der Regel nicht möglich):
5 Sekunden

 

 

 

 

 

E: Vorbeifahrt am Tor mit verschieben des Leitkegels
Durchfahrt durch Schikane ohne passieren des Tores mit verschieben eines Leitkegels
0,5 Sekunden

 

 

 

 

 

F: Tordurchfahrt ohne Verschiebung von Leitkegeln
Durchfahrt durch Schikane, ohne Passieren des Tores und ohne Verschiebung mindestens eines Leitkegels:
5 Sekunden

 

 

 

 

 

5.11 Rennlaufwiederholung


Als Grund für eine Rennlaufwiederholung gilt eine offensichtliche Behinderung durch im Weg stehende Personen oder losgerissene Tiere. Auf der Strecke liegende Steine, streunende Katzen und andere natürliche Elemente berechtigen nicht zu einer Rennlaufwiederholung.
Der Fahrer hat eine Behinderung unverzüglich mittels Handerheben den Streckenposten anzuzeigen und seine Fahrt offensichtlich, jedoch ohne Beeinträchtigung des folgenden Fahrers, zu verlangsamen. Die Ungültigkeit des Laufes ist durch den Fahrer unmittelbar beim Zeitmessfahrzeug anzuzeigen respektive mitzuteilen.
Das Überholen eines vorgestarteten, in Fahrt befindlichen Teilnehmers schliesst eine Laufwiederholung aus.
Die Steckenposten rapportieren den Vorfall raschmöglichst an die Zeitmess-Equipe.
Wird ein Vorfall von den Streckenposten nicht rapportiert respektive quittiert, wird eine Laufwiederholung verweigert. Ein allfälliges Einspracheverfahren richtet sich nach den Bestimmungen gemäss Artikel 5.12.


5.12 Einsprachen


Die Resultatslisten (Zeiten und Fehler) sind nach dem Rennlauf am Zeitmessfahrzeug einsehbar (teilweise auch am Start oder bei der Festwirtschaft).
Einsprachen der Fahrer gegen Fehlerwertungen werden nur bis ¼ Std. nach Veröffentlichung dieser Resultatslisten entgegengenommen.
Laufwiederholungen nach Auswertung des 3. Laufes aufgrund von Einsprachen können nicht gewährleistet werden (Abbau Strecke etc.).
Die Einsprachen müssen schriftlich erfolgen unter gleichzeitiger Hinterlegung einer mittels Barzahlung zu leistender Kaution von Fr. 50.--. Formulare sind auf dem Zeitmessfahrzeug zu beziehen.
Der Entscheid der Renn-Jury (5.13) welche am Rennanlass zugegen ist, gilt als abschliessend.


5.13 Renn-Jury


An jedem Derby ist eine Renn-Jury anwesend, bestehend aus dem technischen Delegierten und mindestens zwei weiteren IG Vorstandsmitgliedern.
Die Renn-Jury hat die Kompetenz, das Rennen jederzeit abzubrechen und den Rennparcours abzuändern (aus Sicherheitsgründen/Unfallgefahr etc.).
Ebenfalls hat die Renn-Jury das Recht, auf die Absolvierung von zweiten und dritten Läufen zu verzichten (witterungsbedingte Einflüsse etc.), selbstverständlich nur in begründeten Ausnahmefällen.
Die Renn-Jury beurteilt und entscheidet über eingereichte Einsprachen gemäss Artikel 5.12 abschliessend.


5.14 Zeitgleichheit


Bei Zeitgleichheit nach zwei Wertungsläufen entscheidet die beste Laufzeit aus diesen Läufen (inkl. Strafzeiten). Bei zwei identischen Laufzeiten entscheidet der nicht gewertete Lauf.
Für die Ranglistendarstellung (Reihenfolge) wird dem schlechter platzierten Fahrer 1/100 Sekunde Zuschlag berechnet.


6. INKRAFTTRETEN, ÄNDERUNGEN


Gesamtes Reglement überarbeitet, Beschluss Vorstand und GV vom 15. März 2002
Inkrafttreten und gültig ab 1. Mai 2002


Änderungen (Höchstgewicht, Jahrgangspunkte) Beschluss GV vom 7. März 2003
Inkrafttreten und gültig ab 1.April 2003


Änderungen (Schweizer Cup, Rennlaufwiederholung, Einsprachen, Zeitgleichheit) Beschluss a.o. GV vom 17. September 2004.
Inkrafttreten und gültig ab 1.April 2005



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